Badische Zeitung

Samstag, 08. Februar 2014

Lesestunde wurde zum vergnüglichen Erlebnis

Autor Kirchgäßner war zu Gast in der Grundschule Strittmatt.


Viel Spaß hatten die Schüler mit Andreas Kirchgäßner. Foto: Peter Palmer

  1. GÖRWIHL. Wikinger, eine abenteuerliche Atlantiküberquerung, ein sympathischer Kinderbuchautor sowie eine Menge aufmerksamer Grundschulkinder: Alles zusammen machte eine Autorenlesung mit Andreas Kirchgäßner an der Grundschule Strittmatt zu einem vergnüglichen Erlebnis.
Etwa alle zwei Jahre lädt die Grundschule Strittmatt einen Kinderbuchautor zu einer Lesung ein – als Appetitanreger für die Leselust der Grundschulkinder, die mit immer mehr elektronischen Medien statt mit Lesefutter aufwachsen. Diesmal war der Autor zahlreicher Drehbücher, Afrika-Essays und Reportagen für Printmedien, Hörfunk und Film, der Merdinger Andreas Kirchgäßner, zu Gast in Strittmatt. Diese Einladung erwies sich als wahrer Glücksgriff, denn die Besonderheit der Autorenlesung lag in der ungewöhnlichen Art der Präsentation, die sich der Autor ausgedacht hat: Er stellte sein Buch den Grundschülern in Form eines interaktiven Gesprächs vor.

Zu Beginn stand die Frage im Raum: Wie kommt eine Geschichte in den Kopf? Dabei experimentierte Kirchgäßner mit einem Trichter, der die Einfälle einfangen hilft. Er macht deutlich, dass man Einfälle mit dem Kopf, der Nase, dem Mund, dem Ohr und den Augen aufnehmen kann. Die Entstehung eines Buchs und die Tätigkeit des Schriftstellers wurden so greifbar. Auch andere Utensilien hatte der Autor mitgebracht. Unter anderem ein frisch angekommenes Paket, das sein Freund Buddel geschickt hat. Der arbeitet, so der Autor, als Archäologe in Norwegen. Und was war darin? Ein Brief an den Geschichtenerzähler, ein tausend Jahre alter Wikingerhelm mit abschraubbaren Hörnern, ein Sonnenkompass und ein indianischer Federkopfschmuck.

Wie kam der Indianerschmuck nach Norwegen?

Nun war die spannende Frage zu klären, wie denn ein Indianerschmuck vor so langer Zeit, noch vor den Reisen von Kolumbus, nach Norwegen kam. Um diese Frage zu beantworten stellte er sein Buch "Donnerwetter, Wikinger!" vor. Das Buch wurde auf eine Leinwand projiziert und die kurzen Texte von den Kindern abwechselnd selbst vorgelesen. Aber nur wer den kleinen Stoffhasen vom Nebenmann in die Hand bekam, durfte die nächsten Zeilen lesen. Und alle machten mit, alle hatten ihre helle Freude. Sogar der Diaprojektor wurde von dem Drittklässler Luca Gerspacher bedient.

Bild für Bild, besonders schön gemalt von Laurence Sartin, wurde so die Geschichte des Wikingerjungen Erik erzählt. Kirchgäßner brachte unendliche Geduld auf, jedes Kind so lesen zu lassen, wie es eben konnte. Umrahmt war das Ganze von einem munteren Dialog zwischen den Kindern und dem Autor, der es verstand, von Anfang bis zum Ende nicht nur die Kinder, sondern auch die Lehrer in seinen Bann zu ziehen.